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Rhein-Neckar-Zeitung, 30. 8. 2006
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Geistiges Heilen – Illusion oder Stein der Weisen?
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Die Heilerszene in Deutschland tritt aus dem Schatten heraus – „Schule der Geistheilung“ auch in Mosbach aktiv
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von Tim Krieger
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Geistiges Heilen – ein Begriff, der unterschiedliche Reaktionen auslösen kann. Die einen denken an wallende Gewänder oder Operationen mit bloßer Hand, nüchterne Zeitgenossen vermuten einen Angriff auf die Errungenschaften der Aufklärung und verwerfen diesen „Humbug“ in Bausch und Bogen. Immer mehr Interessierte nehmen das umstrittene Phänomen „Geistheilung“ jedoch durchaus ernst.
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Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich die Situation für „Geistiges Heilen“ seit zwei Jahren grundlegend geändert. Im Frühling 2004 machte das Bundesverfassungsgericht mit einer Grundsatzentscheidung den Geistheilern den Weg frei zu einer legalen und klar definierten Berufsausübung. Damit ist der Geistige Heiler heute als eigenständiger Beruf anerkannt, wobei er die vom Gesetzgeber gesetzten Grenzen seiner therapeutischen Tätigkeit einzuhalten hat.
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Auch wenn für manchen klassischen Mediziner diese Regelung ein rotes Tuch darstellt - Millionen von Menschen in Deutschland ist die Möglichkeit des Geistigen Heilens bereits zur willkommenen Ergänzung im Gesundheitssystem geworden - die Zahl der Praxen steigt.
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In Mosbach betreibt der aus dem Saarland stammende Jürgen Jungmann eine solche Praxis. Er hat eine „klassische“ Heiler-Karriere hinter sich: Ausbildungen in Shiatsu, Sport-, Bewegungs- und Ernährungstherapien und langjährige Arbeit im Gesundheitssystem machten ihn nicht wirklich zufrieden.
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Zum Schlüsselerlebnis für seinen Weg zum Geistigen Heilen wurde dem heute Vierzigjährigen die Begegnung mit Horst Krohne, einem der bekanntesten Heiler Deutschlands. Dessen Arbeit überzeugte Jungmann so, dass er sich zu einer Ausbildung in Krohnes „Schule der Geistheilung“ entschloss.
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Heute gibt der Heiler seine Kenntnisse bereits selbst weiter und hat einen Arbeitskreis der „Schule der Geistheilung“ gebildet, der für jeden Interessierten offen steht.
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Der Besuch eines Schulungsabends räumt mit einschlägigen Vorurteilen auf. Wer OM-singende Jünger, Schwaden von Räucherstäbchen oder fanatisch dreinblickende Weltverbesserer erwartet, wird enttäuscht.
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Ganz „normal“ wirken sie, die rund zwanzig Personen, die sich in die Geheimnisse der Geistheilung einführen lassen wollen. Zahlreiche Therapeuten finden sich hier, dabei auch eine Fachlehrerin, ein Geschäftsführer aus der Kunststoffindustrie und ein Auto-Händler. Eine bunte Mischung also.
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Um „Energie“ geht es oft im Jargon der Geistheiler, ein Wort, dem man im Zusammenhang mit Heilkunst zunächst ratlos gegenüber stehen mag.
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Jürgen Jungmann stellt klar: „Geistige Heiler sind keine Zauberer, die eine Krankheit einfach so, wohlmöglich in einer Sitzung, auflösen können. Der Geistheiler kann nicht heilen, er ist nur Vermittler von Lebensenergien und überträgt die zur Selbstheilung notwendigen Informationen auf geistigem Wege.“
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Während das westliche Medizinsystem davon nicht viel wissen will, ist die Idee eines eigenständigen, den Lebensvorgängen des Menschen zugrunde liegenden Energiesystems anderen Hochkulturen vertraut. Diese Vorstellung liegt auch dem Geistigen Heilen zugrunde, und hier besteht der Hauptunterschied zur modernen Medizin. Ein unüberbrückbarer Gegensatz? Jungmann ist zuversichtlich, dass sich die beiden Seiten annähern: „In England, Österreich und der Schweiz funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Geistheilern bereits seit langem. Die Heiler kommen sogar in die Kliniken. Warum soll das bei uns nicht funktionieren?“ Er freut sich darüber, dass er bereits mit Ärzten verschiedener Fachdisziplinen im Austausch steht. „Die Vorbehalte nehmen dann schnell ab,“ resümiert er.
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Die Arbeitsgruppe beendet ihr Treffen mit einer Heilsitzung: dabei geben sich die Teilnehmer gegenseitig „Heilenergie“, indem sie die Hände auflegen. Nicht irgendwo, sondern an den „Chakren“, die nach dem Verständnis der Heiler die entlang der Wirbelsäule gelegenen Energiezentren des Menschen sind.
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Das kann doch jeder, ist denn Geistiges Heilen einfach nur Handauflegen? Wir alle haben die Fähigkeit zum Heilen, ist die Antwort. Das Ausmaß einer solchen Fähigkeit sei aber sowohl Begabungssache als auch eine Frage der Schulung.
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Was an diesem Abend klar geworden ist: Geistheiler betrachten ihre Tätigkeit nicht als Ersatz für unsere gewohnten medizinischen Therapieformen. „Wir können und wollen auch gar nicht alles therapieren. Es gibt aber Krankheitsbilder, bei denen der Geistheiler schneller und ohne Nebenwirkungen positive Resultate erzielen kann.“
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Geistheiler haben heute also das verbriefte Recht, Heilung zu versuchen. Ob sie es wirklich können, unabhängig oder in Zusammenarbeit mit der klassischen Medizin – dies bleibt zunächst der Beurteilung des Einzelnen überlassen, der sich in ihre Behandlung begibt.
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